„Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen,
bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt.
Sät Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! “
Hosea 10, 12

Diese Aufforderung lesen wir beim Propheten Hosea, der während der letzten, katastrophalen Jahre des Nordreiches Israel wirkte, bevor die Assyrer es eroberten. Seine Hauptbotschaft war die Ansage des Gerichtes über Israel. Vergeblich geißelte Hosea
die „Kanaanisierung“ Israels: Der Glaube an Gott verlor sich im Fruchtbarkeitskult der Kanaanäer. Je mehr Früchte sie ernteten, desto mehr Götzen-Altäre errichteten sie. Wo sie in Dankbarkeit und Liebe gegen Gott hätten ernten sollen, war ihr Herz den
Fruchtbarkeitsgöttern verfallen. Doch nicht nur Gott vergaßen sie über ihrem Erfolg, sondern auch ihre Mitmenschen.

Eine Kritik die auch gut in unsere Zeit passt. Die Vermögensungleichheit wird immer größer, die Schere zwischen Arm und Reich wächst unaufhaltsam. Allein im letzten Jahr stieg die weltweite Anzahl der Millionäre um 10%. Während die reichsten 10% der Menschen weltweit 85% des Weltvermögens besitzen, muss die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung mit 1% des Vermögens auskommen. Und dennoch ist von Genügsamkeit keine Spur. Die Gier nach Geld kennt kein Ende, nur zu gerne wird Gerechtigkeit weiterem Wachstum geopfert.

Hosea fordert Israel auf, wieder neu Gerechtigkeit auszusäen. Diese Gerechtigkeit hat im Alten Testament immer eine horizontale und eine vertikale Dimension. Wenn Israel aufgefordert ist, Gerechtigkeit zu säen, geht es um seine Beziehung zu Gott, um ein Leben vor und mit Gott, das in seinem Sinne ist und somit immer auch den Nächsten mit einbezieht.
Auch Jesus wirbt für diese doppelte Gerechtigkeit „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,49) und Nächstenliebe „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst! (Mt 22,39). Man kann sagen, wer bei Gott
eintaucht, taucht bei seinen Mitmenschen wieder auf. Bei Gott darf ich Liebe lernen, die nicht nur mein Recht sucht, sondern das meines Nächsten. Bei ihm darf ich die Haltung einüben, von ihm Anvertrautes gerne mit anderen zu teilen und somit  Gerechtigkeit zu säen.

So fordert dieser Bibeltext aus Hosea mich auf, wieder neu zu pflügen. Nicht in alten Bahnen, Routinen und Furchen festzuhängen, sondern neue Wege zu denken und dann auch zu wagen. So kann ich neues Land für Gott, sein Reich, aber auch für mich persönlich und meine Mitmenschen einnehmen. Ich darf lernen, mehr und mehr aus Dankbarkeit zu leben und dabei mitzuwirken, in meinem Umfeld Gerechtigkeit keimen und wachsen zu lassen. Herausfordernd und befreiend gleichermaßen …

Von Samuel F.