Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie
haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.
Hebräer 13,2

Engel, die Boten von Gottes Nähe, können unscheinbar sein. Sie können uns einfach wie normale Menschen erscheinen. Die Heiligkeit des Boten sieht man dem Boten nicht zwingend an. Man braucht schon einen offenen Blick und ein offenes Haus, um sie nicht zu verpassen.

Dieser Vers aus Hebräer über die Gastfreundschaft erinnert mich an die Geschichte von Abraham (1. Mose 18, 1-15):

Abraham, der Urvater des Glaubens, sitzt in der Hitze des Tages vor seinem Zelt und schlummert so vor sich hin. Plötzlich sieht er drei Männer vor sich stehen. Er ist sofort hellwach, läuft ihnen entgegen und verneigt sich zur Erde vor ihnen mit den Worten: “Herr, wenn ich denn Gunst gefunden habe vor deinen Augen, so geh doch nicht an deinem Knecht vorüber!“

Sofort unternahm Abraham alle Anstrengungen, an denen man den richtigen Gastgeber erkennt. Es wird Wasser herbeigebracht, um den Gästen die Füße zu waschen, und unter dem Schatten der Bäume wird ihnen Brot gereicht, und gleichzeitig lässt Abraham so schnell wie möglich ein Festmahl vorbereiten. Abraham gibt alles für diese drei Fremden und es ist ihm eine Ehre, dass sie bei ihm bleiben und seine Gastfreundschaft annehmen.

In Matthäus 25,31-46 beschreibt Jesus die Gerichtsszene, in der die Gerechten gesegnet werden. Der als König zur Gericht sitzt, begründet dies unter anderem mit folgenden Worten:

Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen … (Matthäus 25,35)

Und die Gerechten sind verwundert und fragen, wann denn das gewesen sein soll? Denn keiner hat den Menschensohn direkt bei sich zu Hause aufgenommen. Das entscheidende Kriterium des Gerichts ist nach den Worten Jesu nicht das Handeln gegenüber Gott, sondern das Handeln gegenüber dem Mitmenschen. Jesus sagt: “Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Es geht darum, in dem Anderen/Fremden den Mitmenschen zu sehen und diesen als Bruder oder Schwester zu behandeln. Gottes Liebe und Herrlichkeit in dem Angesicht des anderen zu sehen.

Von Siegfried P.