Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle
des lebendigen Wassers umsonst.

Offenbarung 21,6

Die Jahreslosung 2018 ist auf den ersten Blick eine erfrischende Zusage Gottes: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Doch der zweite Blick auf den Vers hat mich etwas ernüchtert. Denn diese Zusage Gottes stammt aus einer Vision des Johannes aus dem vorletzten Kapitel seiner Offenbarung. In der Vision wird eine Situation beschrieben, die in möglicherweise noch sehr ferner Zukunft liegt. Es geht um die Zeit, in der Gott am Ende der Weltzeit inmitten der Menschen wohnen wird. Wenn ein neuer Himmel und eine neue Erde sein wird. Kann ich diese Zusage schon jetzt für mich in Anspruch nehmen?

Zum anderen richtet sich die Zusage: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“ an Menschen, die Durst nach Gott haben. „Hast du Durst nach Gott, nach seinem Wesen, seinen Gaben, seinem Geist, seinen Gedanken?“ Das habe ich mich gefragt. Ich empfinde unsere Gesellschaft als so reich und überfließend, dass ein Durstgefühl kaum noch aufkommt. Macht Gott in der Jahreslosung ein Angebot, was in unserer Lebenssituation kaum jemand braucht?

Doch, es gibt Menschen, die Durst nach Gott haben. In einer Vorstellungsrunde beschrieb sich jemand mit ungefähr folgenden Worten: “Vor einiger Zeit habe ich Jesus Christus kennen gelernt. Ich bin wie neu geboren. Und das ist das Beste, was mir jemals in meinem Leben passiert ist.“ Dabei strahlte er über das ganze Gesicht und unterstrich so die Echtheit seiner Aussage. Und ich dachte: Ja, da hat jemand Durst nach Gottes Angebot in Jesus Christus gehabt. Er hat Gott gesucht und gefunden. Und er empfindet darüber eine so tiefe Freude, die einfach fasziniert und ansteckt. So weckt die Jahreslosung 2018 bei mir vor allem die Frage, wie ich wieder Durst nach Gott bekommen kann. Gelingt es mir, mehr Sehnsucht nach Gott, seinen Vorstellungen, seinem Geist zu bekommen, als zu den vielen anderen Angeboten? Wie gelingt es mir, in der Fülle der attraktiven Angebote unserer Gesellschaft, mich wieder an Gottes Angeboten zu erfreuen und nach ihm einen tiefen Lebensdurst zu bekommen? Körperlicher Durst entsteht durch körperliche Anstrengung und Verzicht. Im geistlichen Leben ist das nicht anders. Wenn ich mich in Arbeit für Gott hinein gebe und es aus Liebe zu ihm tue, dann bekomme ich Durst nach seiner Kraft. Wenn ich auf Angebote unserer Gesellschaft verzichte, die satt machen, werde ich Gottes Angebote wieder zu schätzen wissen. Offensichtlich ist diese Situation für Gott nicht neu. In Jeremia 2,13 sagt er ernüchtert: „Denn mein Volk tut eine zwiefache Sünde: Mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich  Zisternen, die doch rissig sind und das Wasser nicht halten.“ So ist die Jahreslosung 2018 ein Weckruf, meine Quelle zu überprüfen, aus der ich lebe. Und zu überprüfen, für wen ich lebe.

Von Andreas T.R.