Es wird Freude sein vor den Engeln Gottes
über einen Sünder, der Buße tut.

Lukas 15,10

Dieser Vers ist das Schlusswort des Kapitels mit den beiden Gleichnissen Jesu über das verlorene Schaf und den verlorenen Groschen. Diese Geschichten kenne ich seit meiner Sonntagschulzeit und vielen von Euch wird es genauso gehen. Geschichten, die man oft gehört oder gelesen hat, nimmt man nicht mehr so intensiv wahr: Also lese ich sie nochmal wie zum ersten Mal … und entdecke tatsächlich Neues!
Hintergrund ist die Tatsache, dass viele – von den Pharisäern als „Gottlose“ oder „Sünder“ empfundene – Leute Jesus zuhörten. Die Pharisäer regten sich darüber auf und müssen das wohl auch verbal kundgetan haben. Das veranlasst Jesus, diese beiden Beispielgeschichten zu erzählen. Nach unserem Montatsvers kommt sogar noch eine dritte Geschichte dazu ( Luk. 15,11): die vom verlorenen Sohn. Bei den 3 Geschichten bemerke ich eine Steigerung….. wobei die letzte am stärksten emotional berührt.

Allein das zeigt schon eine Geduld Jesu diesen intoleranten und „rechtgläubigen“ Besserwissern gegenüber, wie ich sie nicht im Ansatz verspüre. Er ist barmherzig und werbend gegenüber den Sündern und wirbt auch noch liebevoll um das Verständnis seines Handelns gegenüber den Pharisäern. Diese Mühe hätte ich mir nicht gegeben. Jesus liebt sie tatsächlich beide, die „Oberfrommen“ und die „Unfrommen“ und gibt beiden die Chance, von seiner Liebe zu profitieren. Damit tut er aber noch etwas: Er stellt beide auf die gleiche Seite….. nämlich auf  die Seite der „Verlorenen“, die von ihm gefunden werden müssen. Die Pharisäer waren gebildet, sie werden das verärgert bemerkt haben. Wenn man das Wirken Jesu weiter verfolgt, weiß man, dass es den (meisten) Pharisäern nicht zur Buße gedient hat. Von den Sündern haben aber einige „die Kurve gekriegt“. Über beide hätten sich die Engel gefreut. Das ist die große Gnade: Jesus liebt sie tatsächlich alle: Uns, die wir ja schon „fromm“ sind und unsere Freunde und Nachbarn (und Feinde), die nach ihren eigenen Vorstellungen leben.

Da wir mit ihnen ja auf der gleichen Seite eingeordnet werden (also als verloren und rettungsbedürftig) können wir ihnen gegenüber auch etwas barmherziger sein: Nicht im Sinne gleichgültiger Toleranz, sondern im liebevollen, engagierten Werben, das man hier bei Jesus erkennen kann.

von Marion R.

Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.
Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.

Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.

Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.

Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.

Dietrich Bonhoeffer